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Dock 56 zeigt „Liquid Lovestories“ von Michael Berg
Dock 56, die Modern Art Galerie in der HafenCity, präsentiert vom 25. Juni bis 15. August 2010 „Liquid Lovestories“ – 20 einzigartige Bilder des dänischen Fotografen Michael Berg. Die erstmals in Deutschland ausgestellten Fotografien des 39-jährigen aus Århus sind zugleich bildschön und verstörend.
Flüssigkeiten, mit der Kamera in Bewegung eingefangen, kombiniert der Künstler mit aufwühlenden Statements. Entstanden ist das Projekt anlässlich der World Outgames in Kopenhagen 2009, einem Sport- und Kulturfestival für Homosexuelle. Die Idee der „Liquid Lovestories“ erklärt Michael Berg selbst so:
„Die Flüssigkeiten stehen für etwas, das man nicht einfangen, beherrschen, steuern oder zähmen kann. Etwas, das wir als Heterosexuelle für selbstverständlich nehmen – die Liebe und die Akzeptanz unserer Partner. Daher kam die Idee mit der Flüssigkeit als Symbol für den Partner, das Gefühl oder die Liebe – abhängig davon, wer das Foto betrachtet. Die Texte sind bewusst an der Stelle im Foto platziert, wo sie am meisten ‚nerven‘ oder ‚stören‘ – genau wie die Ansicht, die sie im echten Leben repräsentieren. Die Texte sind mit der ‚Dymo‘-Technik, mit Maschine in Plastik gelocht, geschrieben, um die primitiven Gedanken dahinter zu unterstreichen – wie eine Art Drohbrief. Und genau wie der klassische Drohbrief ist auch hier der Absender ein Feigling, der sich nicht traut, zu seiner Meinung zu stehen und deshalb die anonyme Form wählt, um sich auszudrücken.
Das Motiv und der Text funktionieren nicht ohne einander. Ohne den Text ist das Motiv bloß faszinierend, ohne das Bild ist der Text bloß ein Fakt – nichts weiter. Zusammen ergeben die beiden Elemente einen Sinn, vielleicht genau wie vieles anderes auch seinen Gegenpol braucht, um das verstehen zu können, was wir haben oder auch nicht haben.“
Das dänische Online-Kunst- und Kulturmagazin Lillevegas.dk über Michael Berg und das Projekt „Liquid Lovestories“:
Für den Fotografen Michael Berg, den Künstler hinter den Lovestories, geht es um mehr als nur um hübsche Bilder. Seine Arbeit will den Betrachter zwingen, eine Haltung zu den Bildern und in diesem Fall zum Thema Homosexualität einzunehmen.
Alles begann auf einer Party, auf der jemand auf Michael Berg zukam mit der Frage, ob er nicht Fotos für die World Outgames, eine Veranstaltung für Homosexuelle, machen wolle. Die World Outgames sind ein Sportfestival, an dem ausschließlich Homosexuelle teilnehmen können. Neben der Sportveranstaltung findet eine Konferenz zu Homosexuellen-Rechten statt, auf der die „Liquid Lovestories“ gezeigt werden sollten.
Ursprünglich sollte das Hauptaugenmerk der Serie gar nicht auf Flüssigkeiten liegen. Michael Berg wollte Familien – homosexuelle Paare mit Kindern – einsetzen und sie in verschiedenen Situationen präsentieren. Das erwies sich jedoch als schwieriger als zunächst erwartet. Es war praktisch unmöglich für ihn, Freiwillige für die Aufnahmen zu gewinnen.
Viele Ideen wurden ausprobiert, doch die zahlreichen Testaufnahmen entsprachen nicht seiner Vision für die Ausstellung. Also begann er wieder bei null. Er wollte jetzt etwas ganz Anderes, etwas Graphisches und Bildschönes. Und dazu Dymo-Streifen mit den harten Fakten über Homosexualität und den Umgang mit Schwulen in der Welt als Kontrast zu den schönen, soften Flüssigkeiten. Michael Berg entschied: Der beste Weg, etwas zu zeigen, was man weder fassen noch festhalten kann, ist, etwas zu verwenden, das alle kennen und dieselbe Eigenschaft hat – nämlich sich ständig zu verändern. Die Flüssigkeit steht für „Liebe", dieses undefinierbare „Ding", das keiner kontrollieren oder leugnen kann.
Die abgelichteten Flüssigkeiten bestehen aus Wasser und Pigmentfarbe, so gemischt, dass sich jeweils die richtigen Farbkombinationen ergaben. Das speziell für die Ausstellung bei den World Outgames durchgeführte Projekt war wie für Michael Berg gemacht. Angetrieben von der Frage nach seiner Sicht auf Homosexualität und Homosexuellen-Rechte, führte ihn seine Leidenschaft für Kunst und für das Provokative zum erzielten Ergebnis. Mit ihrer Schönheit locken die Bilder den Blick des Betrachters an, um ihn dann mit den darauf aufgedruckten harten Fakten zu konfrontieren.
„Im gesamten Arbeitsprozess für die Serie habe ich immer wieder über die Meinungen und Bemerkungen über Schwule und Lesben nachgedacht. Ich wurde mit einer Vielzahl von verschiedenen Haltungen von Menschen rund um das Projekt konfrontiert. Einige Leute dachten sogar, dass ich schwul geworden wäre, nur weil ich viel Zeit damit verbrachte, das Problem zu betrachten, und mich 100% auf das Projekt konzentrierte. Das zeigt einfach, wie engstirnig Menschen sind." – Michael Berg.
Die Lovestories haben sich von einer Auftragsarbeit für die Ausstellung bei den World Outgames bereits zu einer exklusiven Kollektion entwickelt. Jedes Werk wird in 10 Drucken verkauft, 20% des Erlöses gehen an eine Stiftung der Schwulen- und Lesbengemeinde. Neue Bilder für die Serie sind bereits in Arbeit, um permanent auf die gesellschaftlichen Probleme hinzuweisen, mit denen die SLB-Gemeinde Tag für Tag konfrontiert wird.
(erschienen in der Ausgabe 4 / 2010; www.lillevegas.dk)
DOCK 56
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