Wider die Kontrolle.


Der dänische Maler Frederik Kløve Jacobsen ist ein Kulturhacker. Er bedient sich hemmungslos bei der kommerziellen Popkultur und aus dem unendlichen Fundus an Ikonen und Zeichen der Kulturgeschichte.
Aber da die entlehnten Zeichen eben nicht willkürlich, sondern vielmehr mit Bedacht gewählt sind, unterscheidet sich Frederik Kløve Jacobsens Sampling von der entleerten postmodernen Aneignungsmethode ohne Tiefgang, zumindest wie sie in der amerikanischen Pop- und Konzeptkunst zum Ausdruck kommt, in der das rein formelle Zitat dominiert.

Jetzt kann Dock 56 ihrem deutschen Publikum ein Dutzend neuer Gemälde sowie eine spektakuläre Rauminstallation mit einem Berg aus klebriger Zuckerwatte von Frederik Kløve Jacobsen präsentieren.
Wie man es von dem 36-jährigen Künstler kennt, sind auch mehrere seiner neuen Gemälde eine Kritik der kontrollierenden Kunstinstitution. Immer wieder setzt er ein standardisiertes, kommerzielles Piktogramm eines scheinbar besserwisserischen Richters in seinen Gemälden ein. Ein strenger Zensor, der seinen verurteilenden Blick auf den Künstler und auf uns richtet. Frederik Kløve Jacobsens Richter nimmt nicht selbst teil; vielmehr symbolisiert er den kritischen Blick, der oft genug auch unseren eigenen Blick beeinflusst.
In dem großen Gemälde „Stadium” sind es ganze 21 Richter. Sie sitzen in drei Schichten auf einer Tribüne, und quer über sie hat der Künstler ein stilisiertes, trauriges Gesicht gemalt. Zusammen mit den Aussagen „Save distance from strange behaviour” und „Jacks loss of liberty” lässt sich das Gesicht als ein künstlerisches Alter Ego deuten, das sich, wenn auch vor- sichtig, gegen das etablierte und stark moralische Über-Ich auflehnt.
In einem anderen großen Gemälde hat Frederik Kløve Jacobsen zwei sti- lisierte Nacktschnecken dargestellt, die ein Augenpaar und einen Nasen- rücken bilden und zugleich das Bild zerteilen. Die Farben sind intensiv, und sieht man das Gemälde als eine Art Selbstportrait, so zeigt sich uns ein wehrloses, ehrliches Gesicht, das trotz der erstarrten Form etwas herauszuschreien scheint. Vielleicht ist es ein Hilferuf nach einem anderen Blick, einem anderen Weg oder sogar einem anderen Leben mit einem anderen Inhalt. „Das Schneckengesicht” deutet uns an, dass es nur zu langsam gehen könnte...

Oft ist es ein innerer Zorn, der die Triebfeder von Frederik Kløve Jacobsens Kunst ist, doch in letzter Zeit ist seine persönliche Entrüstung politischer geworden und richtet sich mehr nach außen, gegen die Gesellschaft. Frederik Kløve Jacobsen will sein Publikum berühren und sein Bewusst- sein erweitern. Er selbst drückt das so aus: „Ich möchte andere treffen – und ich möchte mich selbst treffen. Malen ist für mich wie eine Schlägerei auf der Leinwand, und die Malerei ist ein Kampf, ein erbarmungsloser Fight darum, hier sein zu dürfen.“

Henrik Broch-Lips 2011

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